Am Montag besuchte mich
Ellen, das Nähen mit der Overlockmaschine stand auf dem Programm, denn bei unserer Tauschaktion kam heraus, dass Ellen ihre Overlockmaschine noch nicht wirklich in Gebrauch hatte und sie gerne mal einen kleinen Einführungskurs machen würde. Gesagt, getan, wir machten sehr schnell Nägel mit Köpfen und so kam Ellen am Montag zu mir, mit ihrer Overlockmaschine im Gepäck.
Zuerst überraschte mich Ellen mit einem wunderschönen Korb, der so richtig Frühlingsstimmung ins Haus brachte:

Neben Kräutern und Frühjahrsblumen war auch noch ein zuckersüßer Hase im Korb, und die Kräuter setzte ich noch am selben Abend in einen kleineren Blumenkasten, so habe ich aktuell ganz frische Kräuter in meiner Küche:
Tja und dann machten wir uns ans Nähen. Der Vormittag stand unter dem Motto "Maschine kennen lernen". Ich zeigte Ellen die verschiedenen Stiche, die diese Maschine kann, erklärte ihr den Einsatz dieser Nähte und auch, wie man ganz leicht eine Overlocknaht wieder auftrennt. Und dann nähten wir selbstverständlich kleine Stoffpröbchen zuerst von den Stichen, dann von Rundungen und natürlich auch, wie man T-Shirtausschnitte einfasst.
Nach einem Mittagessen (meine Kinder kamen hungrig von der Schule) nahmen wir uns ein T-Shirt vor. Ellen entschied sich für ein Raglanshirt mit raffinierter Ärmellösung, so konnten wir eifrig die Theorie des Vormittags anwenden. Den ganzen Nachmittag hat Ellen feste genäht und war sehr konzentriert, doch am Ende konnte sie voller Stolz ein fertiges und sehr gut passendes Shirt mit nach Hause nehmen. Wie konzentriert Ellen war, sieht man an diesem Bild, da hat sie gerade die letzten Nähte mit einer "normalen" Nähmaschine genäht:
Und beim Zuschnitt zeigte ich Ellen, wie ich das mache und sie war total überrascht, welche Hilfsmittel ich dazu nehme. Und da Ellen bereits auf ihrem Blog von meinem Schneiderkreidenstift berichtete (sie hat ihn da "Magic Stick" genannt) und sie sich vor Anfragen kaum noch retten konnte, bat sie mich, ob ich das hier nicht genauer mal erklären könnte, was ich auch gerne tue.
Ich habe mir schon länger die Schneiderkreidenstifte bei meinem Lieblingsstoffhändler geholt und seither hat bei mir die normale Schneiderkreide völlig ausgedient. Ich ärgerte mich immer wieder über die dicken und ungenauen Striche auf dem Stoff und das ist mit diesen Stiften nicht der Fall. Prinzipiell kann man sagen, das Ganze ist wie ein Füller oder Stift. Statt einer Tintenpatrone befindet sich Schneiderkreidenpulver im Inneren und anstelle einer Feder ist ein feines Rädchen eingesetzt, das sich auf dem Stoff dreht und einen dünnen Strich hinterlässt. Auch Rundungen lassen sich so sehr exakt zeichnen. Ich habe noch die ältere Aussführung, die sieht noch nicht ganz so stiftförmig aus, doch gestern habe ich solch einen Stift gekauft, dass ihr mal seht, wie er aktuell ausshieht, das erinnert fast an einen etwas zu kurz geratenen Füller:
Der Stift ist von der Marke Clover und heißt Pen-Style Chaco Liner, er kostet 8,90 € und es gibt ihn in den Farben gelb, weiß, rot und blau. Ich selbst habe alle vier Farben, aber wenn ich ehrlich bin, brauche ich den weißen kaum, den habe ich jetzt fürs Foto auch gar nicht gefunden. Meines Erachtens kommt man mit gelb oder rot und blau sehr weit!
So sehen meine "alten" Stifte aus:
Die pulverisierte Kreide reicht sehr lange, doch sollte sie einmal aus gehen, kann man sich jederzeit Nachfüllmaterial kaufen, da muss man nicht den ganzen Stift wegwerfen!
Und dann habe ich noch mein geniales Lineal von Omnigrid dazu gelegt. Seit ich dieses Lineal habe, ist mein klassisches Nählineal, wenn ich zuschneide, arbeitslos. Das Lineal ist 3 cm breit und hat Zwischenmarkierungen von 0,5, 0,7 und 1 cm. Da es durchsichtig ist, sehe ich auch immer, wo genau meine Schnittlinie ist und ich muss das Ganze nicht immer wieder neu ansetzen UND ich kann bei geraden Linien immer einmal eine etwa 30 cm lange Linie ziehen, denn das Lineal ist 30 cm lang (gut, es ist etwas länger, die Markierung geht bis 30 cm aber dann ist noch ein Stück ohne weitere Linien).
Soweit zur "Hardware" des Zuschneidens :-). Dann war Ellen auch überrascht, wie ich mit den Schnittteilen von Mehrgrößenschnitten umgehe. Ich schneide nämlich prinzipiell immer die größte Größe aus. Wichtig ist das zum Beispiel ganz aktuell, denn meine Tochter und auch ich haben uns in eine Tunika aus der neuen Easy Fashion von Burda verliebt. Die Stoffe liegen beide da, nur meine Tochter braucht Größe 34 und ich Größe 44. Würde ich den Schnitt in Größe 34 ausschneiden, müsste ich in die Röhre schauen, so bliebe mir nur, den Schnitt in Größe 34 abpausen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt viiiiiiel zu faul. Und es macht hier bei dieser Tunika doch einige Zentimeter aus, wie das Bild zeigt:
Also schlage ich den Schnitt so ein, dass ich fast nur noch die Linien von der Größe 34 sehe:
Bei geraden Schnittlinien ist das ja noch recht einfach und man kann sehr genau arbeiten (wie hier bei der Seitennaht), bei Rundungen muss man eben etwas großzügiger sein. Und genau so lege ich den Schnitt dann auch auf den Stoff und stecke die umgeschlagenen Stücke mit fest:
Bei dieser Technik muss man sich die richtige Linie wirklich gut einprägen, denn ansonsten können schon Fehler beim Einzeichnen der Nahtzugaben passieren und das kann sehr ärgerlich sein!
So und nun lege ich mein durchsichtiges Lineal an, hier bei der Tunika für meine Tochter (sie fällt recht weit aus) gebe ich nur 1 cm Nahtzugabe zu, bei mir werden es dann doch 1,5 cm sein:
Die 1 cm Markierung des Lineals liegt genau auf der Linie von Größe 34 und dann kann ich mit dem Stift ganz exakt die Linie ziehen.
Beim Halsausschnitt oder den Ärmeln ist auch eine Rundung. Da lege ich das Lineal auch an, mache einen kleinen Strich und da ich ja durch das Lineal meine entsprechende Linie sehe, brauche ich das Lineal nur ein ganz wenig verschieben und kann dann wieder eine kleine Linie ziehen. Beim herkömmlichen Nählineal müsste man wieder alles völlig neu anlegen:
Der Pfeil zeigt, wo ich schon eine Linie eingezeichnet habe.
Und auch der Saum ist kein Hexenwerk mehr. Prinzipiell gebe ich (insbesondere bei Shirts) eine 3cm breite Saumzugabe zu. Mein Lineal ist ja genau 3 cm breit, sprich meine Breite ist auch meine Saumlänge:
Da hier der Saum auch eine Rundung hat, verschiebe ich einfach auch das Lineal immer ein wenig und ganz schnell ist alles eingezeichnet.
Innerhalb kürzester Zeit habe ich so meine Nahtzugaben genau da, wo sie sein sollen und zwar mit ganz feinen Linien, dass ich nun für den Zuschnitt die genaue Linie habe, an der meine Schere schneiden muss.
Ich war beim ersten Mal auch überrascht, wie schnell das geht und konnte mein Glück kaum fassen (denn ich hasste bis dahin das Zuschneiden, weil das Einzeichnen immer so lange dauerte) und auch Ellen war am Montag ganz von den Socken, wie schnell wir die Schere in die Hand nehmen konnten...
Nun hoffe ich, dass ihr einigermaßen verstanden habt, was ich meine, ich kann euch auf jeden Fall diese beiden Hilfsmittel (den Schneiderkreidenstift und das Omnigrid Lineal) nur empfehlen!